Fehlplanung Transitautobahn "Ostumfahrung"

Problem 1: vollkommene Unterschätzung des zukünftigen Transitanteils auf der Transitroute „Ostumfahrung“

Im Jahr 2012 betrug das Transitverkehrsaufkommen an der Grenze zur Tschechei rund 1.200 KfZ in 24h. Für die Linzer Ostumfahrung wurde von den Verkehrsplanern einfach „angenommen“, dass der Transitverkehr nach Fertigstellung der durchgehenden Autobahnverbindung von Linz nach Prag nach dem Jahr 2024 nur rund 6.000 PKW und LKW insgesamt ausmacht. Das ist weniger Verkehr, als heute auf einer mittleren Landesstrasse zweiten Rangs unterwegs ist. Angesichts der Ausmaße dieser neuen Transitroute von der Nordsee bis in die Ägais handelt es sich hierbei um eine massive Fehlschätzung ohne jede sachliche Grundlage. (Bild: Präsentation des Landes OÖ im Rahmen der „Regionskonferenzen“ zur Ostumfahrung)

Jedoch wurden bereits im Jahr 2016 auf der bestehenden Bundesstrasse am Grenzübergang Wullowitz mehr als 6.000 KfZ pro Tag gezählt, und die Annahmen der Verkehrsplaner somit bereits vor zwei Jahren übertroffen. Das Transit-Verkehrsaufkommen wächst seither um deutlich mehr als 10% pro Jahr. Auch die ASFINAG hat bereits 2015 in einem professionellen Modell Verkehrsprognosen für den Fall des Vollausbaus der S10 bis an die Grenze erstellt. Diese Prognosen gehen von mehr als 15.000 KfZ pro Tag Transitverkehr am Grenzübergang aus, davon mehr als 2.300 LKW pro Tag. All diese Daten wurden bei den Planungsarbeiten zur Linzer Ostumfahrung nicht berücksichtigt.

Problem 2: Unterschätzung des Transitanteils führte zur Ausscheidung aller weiträumigen Ostumfahrungsvarianten aus den Trassenplänen der neuen Autobahnverbindung

Über Jahre wurde der Korridor Unterweitersdorf-St. Valentin für eine Umfahrung des Linzer Stadtgebietes bevorzugt. Dieser Korridor führt durch dünn besiedeltes Gebiet, und man hätte eine echte Ostumfahrung gleich mit dem Neubau der Donaubrücke im Bereich Mauthausen zusammen realisieren können. Dies hätte zu einer Ersparnis von mehr als hundert Millionen Euro geführt, und einen Anschluss des strategisch wichtigen Ennshafens an das höherrangige Straßennetz ermöglicht. Somit wäre auch eine weitere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene bzw. Wasserwege gefördert worden.

Durch die Unterschätzung des Transitanteils auf der neuen Autobahnverbindung wurde der östliche Korridor Unterweitersdorf-St. Valentin jedoch als „uninteressant“ wieder aus den Planungen ausgeschieden. Das Transitproblem war in den Augen der Planer „nicht existent“. Das einzige was dann noch zählte, war eine neue und leistungsfähige Autobahnverbindung für Pendler und den Nahverkehr. (Bild: Präsentation des Landes OÖ im Rahmen der „Regionskonferenzen“ zur Ostumfahrung)

Problem 3: Transitverkehrsaufkommen wird nach Fertigstellung der Verbindung Prag-Linz wesentlich höher sein, mehrere Tausend Güter-LKW pro Tag erwartet

Allein über den Brenner verkehrten im Jahr 2017 2,25 Millionen Transit Güter-LKW, das entspricht rund 7.200 Güter-LKW pro Tag (ausg. Sonntag). Für die neue „Ostumfahrungs-“ Nord-Süd Transitroute von den Nordseehäfen bis zur Adria (Hafen Koper), dort weiter über den Balkan bis zur Ägäis und in die Türkei sind mehrere tausend Fernverkehrs Güter-LKW pro Tag zu erwarten.

Aufgrund der massiven Planungsfehler im Rahmen der Trassenfestlegung soll dieser Transitverkehr nunmehr mitten durch dicht besiedeltes Gebiet im Linzer Ballungsraum geführt werden, und wird die Lebensqualität und Gesundheit von mehr als zweihunderttausend Menschen massiv beeinträchtigen.

Solche Planungsfehler können nicht hingenommen werden. Es muss eine neue und realistische Schätzung des Transitanteils auf der entstehenden Transitautobahn von Norddeutschland bis in die Türkei vorgenommen werden. Der Transitverkehr ist in den Planungen zur Linzer „Ostumfahrung“ entsprechend zu berücksichtigen, und muss weiträumig am Linzer Ballungsraum vorbeigeführt werden, sodass so wenig Menschen als möglich durch die neue Transitroute beeinträchtigt werden.

Nicht nur wir, auch → Verkehrs-Landesrat Günther Steinkellner warnt nun bereits davor, dass für die drohende Transitlawine eine neue Straßenverbindung unbedingt erforderlich ist. Dann muss konsequenterweise auch eine Neubewertung der Trassenentwürfe aufgrund der massiven Planungsfehler der Verkehrsplaner stattfinden.